Behindert Glauben die Wissenschaft?

Glaube und Wissenschaft – und dazwischen eine gehörige Portion Spannung. So oder zumindest so ähnlich könnte man das Verhältnis zwischen Glaube und Wissenschaft heutzutage beschreiben. Es gibt nicht gerade wenige Menschen, welche der Auffassung sind, dass man als gläubiger Mensch (v.a. als Christ) wegen seinen Glaubensüberzeugungen nicht aufrichtig, ehrlich und wissenschaftlich arbeiten kann. Der gegenwärtig wohl berühmteste Atheist Richard Dawkins prangert in unzähligen Diskussionen und Vorträgen das Verhältnis von Glaube und Wissenschaft an und macht auch keinen Hehl daraus, dass man als gläubiger Mensch wohl nicht aufrichtig Wissenschaft betreiben kann.

Glaube oder Wissenschaft

Glaube und Wissenschaft im Spannungsfeld

Glaube und Wissenschaft – ein Gegensatz?

Verhält dies sich denn wirklich so und sind gläubige Menschen wirklich keine geeigneten Wissenschaftler oder liegt Richard Dawkins mit seiner Annahme falsch?

Die heutige Wissenschaft reicht von der Antike über die Linguistik, die theoretische Physik hin zu der Biologie, Medizin und Sportwissenschaft. Und dazwischen liegen unzählige verschiedene Wissenschaftsgebiete –  ein breites Spektrum also. Doch bereits hier ergeben sich unbeantwortet Fragen: Wieso, weshalb, warum kann ein gläubiger Mensch nicht wissenschaftlich im Bereich der Musik, oder der Pharmazie, des Tanzes, der Agrarwirtschaft oder der Germanistik studieren, lehren und arbeiten? Man könnte an dieser Stelle noch viele weitere Teildisziplinen der Wissenschaft anführen bei welchen der Glaube von Millionen von Menschen keinen Widerspruch, keinen Einfluss oder keine Berührungspunkte darstellt.

Warum Glaube und Wissenschaft KEIN Spannungsfeld sind

Aber was ist mit der Biologie? Evolutionstheorie? Theologie? Ethik? Diese Fragen drängen sich förmlich bei diesem Thema auf. Bevor wir jedoch dieses Spannungsfeld behandeln wollen, sei an dieser Stelle noch einmal klargestellt: Es gibt  sehr, sehr viele Teilgebiete der Wissenschaft welche absolut kein Spannungsfeld mit dem Glauben von Menschen darstellen. Diese Bereiche der Wissenschaft lassen sich ohne große Probleme mit dem Glauben in Verbindung bringen (Architektur stellt offensichtlich keinen Widerspruch zum Islam, Judentum, Christentum oder Hinduismus dar. Also sollten Angehörige dieser Religionen auch ohne große Not z.B. Architektur studieren und lehren können, ohne dabei als nicht- wissenschaftlich abgestempelt zu werden).

Doch können gläubige Menschen wirklich aufrichtig, ehrlich und wissenschaftlich Astronomie betreiben, Geologie studieren oder lehren, oder im Bereich der Biologie tätig sein? Im Folgenden soll vor allem das Spannungsverhältnis zwischen dem Christentum, der Glaube an der Bibel als Offenbarung Gottes, und den Erkenntnissen der Wissenschaft im Bereich der Theologie, Apologetik, Medizin und Biologie näher beleuchtet werden.

Stehen z.B. die Aussagen des Schöpfungsberichtes aus dem 1.Buch Mose in der Bibel nicht entgegen den Aussagen der Wissenschaft zur Entstehung des Universums und der Erde? Wird der Mensch (v.a. sein Inneres Wesen) in der Bibel nicht ganz anders beschrieben als dies viele Humanisten heutzutage tun? Hat die historisch-kritische-Methode in der Theologie nicht offengelegt, dass die Bibel nicht die Offenbarung Gottes an uns Menschen ist im Gegensatz zu den biblischen Behauptungen des Gegenteils?

So gibt es eine Reihe von Fragen, welche einen großen Konflikt zwischen Glaube und Wissenschaft darstellen. Doch zunächst einmal muss eine weitere Frage geklärt werden: Doch wie gelangen viele Menschen zu der Aussage, dass gläubige Menschen (hier v.a. Christen) keine Wissenschaft betreiben können bzw. dass ihr Glaube die Wissenschaft behindert?

Man kommt zu dieser Behauptung, wenn man erstens die Wissenschaft als das Nonplusultra, also das Höchste Maß aller Dinge, betrachtet und zudem seinen eigenen Glauben ausblendet. Wissenschaft macht Fehler. Wissenschaft beruht oft auf Annahmen. Und Wissenschaft kann sich korrigieren. Diese Tatsachen sollte man nicht vergessen.

Bei all den Errungenschaften der Wissenschaft, bei den Vorteilen, welche wir Menschen dadurch haben und bei all dem Richtigen, was entdeckt und erforscht wurde – Wissenschaft ist trotz all dem nicht vollkommen. Und genau aus diesem Grund sollte man Wissenschaft nicht als unfehlbar betrachten und kritisch betrachten. Doch genau hier liegt meines Erachtens ein großes Dilemma: Viele Menschen vergöttern schon fast die Wissenschaft und stellen deren Ergebnisse und Folgerungen oft nicht mehr in Frage bzw. hinterfragen die Modelle, Rechnungen und Annahmen nicht mehr. Ganz nach dem Motto: Die Wissenschaft wird`s schon wissen!

Und bei all dem sollte man auch den Glauben eines jeden Wissenschaftlers berücksichtigen, weil jeder Mensch (also auch ein Wissenschaftler) geprägt von seinen Überzeugungen und Vorstellungen die Welt betrachten, beobachtet und Daten interpretiert. Wenn also Richard Dawkins gläubigen Menschen unterstellt, dass ihr Glaube die Wissenschaft behindert, schießt er sich förmlich ins eigene Bein: Selbst ein Atheist hat einen Glauben, nämlich den Glauben an die Nichtexistenz Gottes. Somit stellt er seine eigenen wissenschaftlichen Errungenschaften in Frage.

Dies ist an folgendem Beispiel zu erkennen:

Dass die menschliche DNA, also das Erbgut des Menschen, eine 50% -ige Übereinstimmung mit der DNA einer Banane hat, deutet ein Atheist als den Beweis, dass alles Leben (also wir Menschen und die Bananen) von einer einzigen Zelle („Urzelle“) abstammen. Diese Folgerung ist aber kein Beweis sondern beruht lediglich auf seinen Glaubensüberzeugungen – es gibt keinen Gott, das Universum und alles Leben entstand zufällig durch Mutation und Selektion und daher muss alles mit einer Urzelle angefangen haben. Ein Christ deutet diese Tatsache anders. Für ihn bedeutet die 50%-ige Übereinstimmung dass bei der Erschaffung der Erde, der Menschen und der Pflanzen Gott einfach dieselben „Bausteine“ verwendet hat. Da eine Banane zur Nahrung der Menschen gedacht ist, wäre es nicht sinnvoll, hätte Gott die Banane mit Bausteinen erschaffen, welche wir Menschen z.B. nicht verdauen können. Dieser Rückschluss ist ebenfalls kein Beweis und beruht auf den Überzeugungen des Christen.

Die Schlussfolgerung

Dieses Beispiel soll verdeutlichen, dass der Glauben eines jeden Menschen seine wissenschaftliche Arbeit, die Interpretation von Fakten und die Forschungsarbeiten beeinflussen und lenken.

Zum Schluss sei auf folgenden Sachverhalt noch hingewiesen: Es gab in der Geschichte eine große Reihe von berühmten und exzellenten Wissenschaftlern. Zwei davon sind wohl jedem bekannt: Albert Einstein und Galileo Galilei. Diese zwei überaus brillanten Köpfe waren von der Vorstellung eines geordneten Universums getrieben. Sie waren davon überzeugt, dass im Universum eine Struktur herrscht, dass man eine Ordnung und kein Chaos erkennen kann. Sie waren der Überzeugung, dass es Gesetzmäßigkeiten geben muss und gewisse Regeln herrschen und alles nur aus einem Grund: Da sie daran glaubten, dass ein Schöpfer das Universum erschaffen hat. Ihr Glaube brachte sie dazu, Gesetzmäßigkeiten und Strukturen zu erkennen und half ihnen bei ihren wissenschaftlichen Bemühungen.

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