Evolution trennt von moralischer Verbindlichkeit?!

Trennt die Evolution von moralischer Verpflichtung?

Trennt die Evolution von moralischer Verpflichtung?

Ich habe bewusst hinter der Überschrift des Artikels sowohl ein „?“ als auch ein „!“ gesetzt. Denn zum einen wollen wir der Frage nachgehen, ob Evolution grundsätzlich oder überhaupt von moralischer Verbindlichkeit trennt und zum anderen werden wir im späteren Verlauf feststellen – dies sei hier schon vorab gesagt – dass Evolution in einem gewissen Sinn bzw. Maß von moralischer Verbindlichkeit trennt. Deshalb beide Satzzeichen am Ende der Überschrift.

Gott und die Moral

Doch bevor wir uns in diese Thematik hineinstürzen und uns hierzu einige Gedanken machen, möchte ich zunächst einmal die Verbindung bzw. Verknüpfung zwischen Gott / Götter und moralischer Verbindlichkeit beleuchten. Seit Jahrtausenden glauben Menschen unterschiedlichster Herkunft, Geschlecht und Rasse an Götter bzw. an einem Gott. Dieser Glaube führt unmittelbar zu einem moralischen Empfinden des Einzelnen. Ich möchte dies an Hand des Christentums etwas näher erläutern.

Der Gott der Bibel hat sich in der Vergangenheit auf unterschiedliche Art und Weise unterschiedlichen Menschen offenbart, so dass wir als Gläubige z.B. etwas über sein Wesen, seine Eigenschaften, seinen Willen und seine moralischen Einstellungen erfahren. Diese Offenbarungen sind für uns als gläubige Christen extrem wichtig, hilfreich und gut um z.B. unser Tun & Handeln, aber auch unsere Einstellungen, Werte und Normen an Gottes Maßstäben zu prüfen und uns daran zu orientieren. So ist es uns als gläubige Christen prinzipiell möglich, ein Leben nach dem Willen Gottes zu führen.

Moral beeinflusst das Leben

Ich möchte ein Beispiel als Verdeutlichung anführen. Jesus, und später der Apostel Paulus, ermahnt seine Jünger und Zuhörerschaft, dem Staat bzw. der Regierung die Steuern, welche diese von ihnen verlangt, zu zahlen. Dies heißt also ganz konkret für die Christen, damals wie heute, dass sie verpflichtet sind, dem Staat die abverlangten Steuern zu zahlen und dass eine Verweigerung der Steuerzahlungen an den Staat oder Steuerhinterziehung nicht mit der Lehre Jesu und damit auch nicht mit der Bibel in Einklang zu bringen sind. Daraus resultiert die Verpflichtung der Christen, dem Staat die Steuern zu zahlen – egal, ob man persönlich dies gut heißt oder nicht – und abgeleitet davon das moralische Verhalten der Christen als Einwohner in einem Staat.

Zur besseren Veranschaulichung möchte ich noch ein weiteres Beispiel anführen. Jesus fordert uns auf, seinen Nächsten genauso zu lieben wie sich selbst (Matthäus 19,19). Diese Aufforderung, wenn man sie denn ernst nimmt, hat Einfluss und Auswirkung auf unser komplettes Leben. So wird sich das Verhalten eines Menschen gegenüber seinen Mitmenschen um 180° wenden. Da die Moral die Lehre vom sittlichen Zusammenleben der Menschen ist, wird es einleuchten, dass die Aufforderung Jesu die Moral und damit auch die Ethik des Menschen grundlegend prägen und / oder verändern wird. Ich denke, dass man an diesen zwei Beispielen sehr gut erkennen kann, wie die Gebote / Verbote oder aber auch die Moral / Ethik Gottes unmittelbare Auswirkungen auf das Leben von Gläubigen hat.

Moral ohne Gott

Nun gehen wir einen Schritt weiter und wollen untersuchen, wie sich die Moral verändert bzw. die moralischen Einstellungen und Verpflichtungen ändern, wenn wir Gott zur Seite schieben und stattdessen Evolution als höchste moralische Instanz heranziehen. Zunächst einmal muss man feststellen, dass sich die Ausgangssituation grundlegend verändert hat. Christen glauben an einen Gott, welcher u.a. den Inbegriff von „gut“ darstellt und somit zwischen Gut und Böse unterscheiden kann und somit uns Menschen mitteilen kann, was gut und was böse ist. Dies bedeutet, dass Gott die höchste moralische Instanz ist.

Moral aus Sicht der Evolution

Wenn wir annehmen, dass Evolutionsbefürworter an die Nicht-Existenz Gottes glauben oder zumindest der Meinung sind, wenn ein Gott eventuell existieren würde, dass dieser doch keinen Einfluss und / oder Auswirkungen auf uns Menschen hat, so müssen wir schon hier feststellen, dass in der Weltanschauung der Evolution keine höchste moralische Instanz existiert und somit kein Maßstab für Gut & Böse vorhanden ist. Ich möchte diesen Gedankengang kurz etwas näher betrachten.

Wie wir angenommen haben, existiert entweder kein Gott oder dieses göttliche Wesen hat keinen Einfluss und / oder Auswirkung auf die Menschheit. Desweiteren sind Evolutionsbefürworter der Auffassung, dass alles im Universum durch Zufall und Notwendigkeit entstanden sei. Ferner spielt Selektion und Mutation bei der Fortpflanzung, Entstehung und Weiterentwicklung der Lebewesen eine entscheidende Rolle.

Die Folge von fehlender Moral

Ist alles durch Zufall und Notwendigkeit, Selektion und Mutation entstanden, so dürfte jedem von uns klar sein, dass zum einen Zufall weder eine moralische Instanz sein noch uns Menschen sagen kann, wie wir uns moralisch gut zu verhalten haben bzw. können. Zum anderen muss uns an dieser Stelle bewusst werden, wenn Zufall und Notwendigkeit die Schöpfer unser Selbst und unserer Gedanken sind, dann sind unsere moralische Vorstellungen und Einstellungen nur Produkte des Zufalls und können daher weder objektiv noch universal gültig sein oder als Maßstab von Gut & Böse dienen.

Dass diese Überzeugung Auswirkungen auf das Denken und Handeln von Menschen hat, dürfte jedem klar sein. So leuchtet es ein, dass z.B. eine Notlüge in einer heiklen Situation aus Sicht der Evolution nicht unbedingt moralisch verwerflich ist. Im Gegensatz dazu untersagt die Bibel jede Art von Lüge, also auch eine Notlüge. An diesem simplen Beispiel können wir die Auswirkung der unterschiedlichen Weltanschauung im Bezug zu einer konkreten Situation erkennen. Evolutionisten können kein absolut gültiges moralisches Gesetz haben, da in ihrer Weltanschauung ein solcher Gesetzgeber (=Gott) fehlt. Bedeutet dies im Umkehrschluss, dass Evolution von moralischer Verantwortung trennt?

Unterschied zwischen Christentum und Evolutionsbefürwortern

Trotz eines fehlenden, universell gültigen Moralgesetz bei der evolutionistischen Weltanschauung meine ich dennoch, dass Evolution nicht von moralischer Verantwortung trennt, wenn auch diese, verglichen mit dem Christentum, ganz anders ausschaut und einen anderen Inhalt hat. Doch wie komme ich zu dieser Meinung und wie unterscheidet sich dann die moralische Verantwortung des Christentums von der evolutionistischen?

Es gibt eine ganze Reihe von Evolutionsbefürwortern, welche ein an das Christentum gemessen moralisch gutes Leben führen. Diese Leute, obwohl sie vielleicht an die Nicht-Existenz Gottes glauben, handeln und leben oft nicht nach Lust und Laune und haben oft hohe moralische Ansprüche an sich selbst und an ihrer Umwelt. Doch wie kommt dies zustande, da doch in der evolutionistischen Weltanschauung kein universell gültiges Moralgesetz existiert?

Der moralische Kompass und das Gewissen

Ich denke, folgender Grund ist die Ursache dafür. Meiner Meinung nach besitzt jeder Mensch von Geburt an in sich einen „moralischen Kompass“. Dieser sogenannte Kompass, oft auch als das Gewissen bezeichnet, zeigt uns auf, was wir zu tun haben oder was wir lassen sollten. Er ist eine Richtschnur in unserem Leben, damit wir moralisch urteilen können und unsere moralische Verantwortung wahrnehmen können. Ich will dies an einem Beispiel verdeutlichen.

Man hat herausgefunden, dass in allen Kulturen der Welt zu allen Zeiten bestimmte Verhaltensweisen und Vergehen moralisch als ein sogenanntes „No-Go“ bezeichnet wurden. So gab es noch nie eine Kultur, in welcher die Vergewaltigung von Kindern als gut oder moralisch nicht bedenklich betrachtet wurde. Auch hilflose Menschen ohne Grund auszurauben, zu schlagen oder schlimmeres wurde bisher in der Menschheitsgeschichte als ein Akt der Gewalt angesehen und die Täter wurden auch zu Recht dessen bestraft. Ich denke, dass auch heutzutage jeder Mensch die oben angeführten Straftaten scharf verurteilen würde.

Doch woran liegt es, dass alle Menschen aus allen Ländern, Kulturen und Religionen zu allen Zeiten Taten wie die Vergewaltigung von Kindern unter Strafe stellten? Warum werden gewisse Taten von allen Menschen, ohne zu zögern, als moralisch verwerflich betrachtet? Ich denke, die Antwort darauf ist der oben genannte moralische Kompass. Dieser sagt uns in vielen Situationen sofort, ohne dass wir groß nachdenken müssen, was richtig und was falsch ist. So wissen wir sofort, wenn wir z.B. Geld von einer fremden Person gestohlen haben, dass dies moralisch betrachtet nicht korrekt ist und dass wir nicht das Recht hatten, Geld ohne Erlaubnis der fremden Person zu nehmen.

An dieser Stelle möchte ich kurz erwähnen, dass man diesen Kompass auch unterdrücken kann, so dass das moralische Gewissen mit der Zeit immer weniger wird und man nicht nur das Feingespür für moralische Entscheidungen verliert, sondern auch mit der Zeit das Böse als Gut oder zumindest als nicht mehr böse betrachtet. Dies sei aber hier nur am Rande angemerkt.

Ursprung des Gewissens

Doch woher haben wir Menschen unser Gewissen? Woher stammt dieser moralische Kompass in uns? Ich bin der Überzeugung, dass Gott selbst, der Schöpfer der Menschen, einen moralischen Kompass in uns hineingelegt hat. Dies ist, nebenbei angemerkt, für mich ein sehr starker Hinweis für die Existenz Gottes. Doch wie erklären sich Evolutionisten diesen Tatbestand? Und worin genau liegt der Unterschied der moralischen Verantwortung?

Im Folgenden will ich versuchen, diese zwei Fragen zu klären. Nach Meinung der Evolutionsbefürworter hat nicht Gott uns ein moralisches Gewissen gegeben, sondern unser moralisches Gewissen wurde durch unsere Umwelt, unsere Gesellschaft, unsere Erziehung und durch unsere Einstellungen geprägt bzw. wird immer wieder verändert oder neu geprägt. Das Gewissen hat sich nach Meinung der Evolutionisten im Verlauf der Menschheitsgeschichte herausgebildet. Warum aber gerade wir Menschen ein Gewissen haben und Tiere nicht, wobei wir Menschen ja nicht mehr als die bis jetzt höchste entwickelte Spezies sind, bleibt unbeantwortet.

Auch bleibt die Frage offen, wie sich ein moralisches Gewissen überhaupt bilden konnte. Diese Auffassung, dass unser moralischer Kompass nicht von Gott gegeben ist, sondern durch unsere Gesellschaft, Erziehung und unsere Einstellung geprägt und verändert wird, hat großen Einfluss auf die zweite Frage, nämlich worin der Unterschied der moralischen Verantwortung liegt. Wie bereits am Anfang erwähnt, ist nach Ansicht der Christen Gott das höchste moralische Wesen und hat uns Menschen universell gültige Gebote/ Verbote gegeben. Auch auf Grund unseres Gewissens, welches Gott in uns hineingelegt hat, sind wir Menschen in der Lage, etwas als gut oder böse zu bezeichnen. Hierbei ist gut oder böse nicht nur eine subjektive Bewertung, sondern da wir Menschen Gottes Maßstäbe im Bezug zu gut & böse kennen, sind wir in der Lage, objektiv und universell das Gute vom Böse zu unterscheiden. Dies ist eine extrem wichtige Tatsache.

Was wenn kein absoluter Maßstab existiert

Da Evolutionisten kein allgemein gültiges moralisches Gesetz haben und sich der innere Kompass der Menschen an ihrer Umwelt, Gesellschaft, Erziehung und Einstellung orientiert, können diese Menschen nicht objektiv und universell etwas als gut oder böse bezeichnen. Denn warum sollte die subjektive Bewertung eines Menschen hinsichtlich einer Verhaltensweise richtiger oder „wahrer“ sein als die Bewertung derselben Verhaltensweise eines anderen Menschen. Konkret bedeutet dies, dass ein Seitensprung, moralisch gesehen, für den einen Evolutionsbefürworter zu verwerfen ist, aber für einen anderen dies nicht gegen seine Moral wäre.

Wie sollte einer von beiden beanspruchen, dass seine moralische Auffassung richtig sei und die des anderen falsch, wenn kein universell gültiger moralischer Maßstab existiert, woran man dies messen kann. Ich denke die Problematik wird so langsam klar. Auf der einen Seite hat jeder Evolutionsbefürworter ein Gewissen. Doch dieses ist wandelbar, orientiert sich an der Gesellschaft, Erziehung und Umwelt des Einzelnen und kann unmöglich als richtig oder falsch beurteilt werden, da in der Weltanschauung der Evolutionisten kein absolutes Moralgesetz als Maßstab existiert.

Wenn dies aber der Fall ist, wie können wir dann heutzutage Verbrechen aus der Vergangenheit verurteilen? Was bilden wir uns dann ein, unser subjektives Moralempfinden auf die ganze Welt zu projektieren? Welches Recht haben wir dazu, die großen Moralapostel zu spielen, wenn doch das Gewissen abhängig ist von der Gesellschaft, Umwelt und Erziehung? Ich möchte hier noch einmal klarstellen, dass Evolutionisten auch eine moralische Verantwortung haben oder wahrnehmen. Doch diese Verantwortung unterscheidet sich zur Verantwortung im Christentum darin, dass die Moral abhängig ist von der Gesellschaft, Erziehung und Einstellung und daher wandelbar und nicht universell gültig ist. Ein Evolutionist ist daher nur gegenüber seiner Gesellschaft und seiner Einstellung verpflichtet. Hingegen zum Christentum, wo die moralischen Maßstäbe universelle Gültigkeit besitzen und unser Verhalten sich an den moralischen Maßstäben Gottes messen lassen müssen.

Der absolute und relative Maßstab am Beispiel des Dritten Reiches

Welche Sichtweise dies in letzter Konsequenz hat, will ich am Beispiel des 3.Reiches und der Verfolgung und Vernichtung der Juden aufzeigen. Als Christ kann ich das Verhalten des NS-Regimes kritisieren und die Ermordung der Juden als Gräueltat bezeichnen. Nach Gottes Maßstäben ist jeder Mord eine Schandtat und moralisch betrachtet zu verwerfen. Jeder Mensch wird gleichviel von Gott geliebt. Es gibt keine besseren Menschen und keine bessere Rasse. Das Leben ist etwas kostbares und heiliges in den Augen Gottes und daher besonders zu schützen. Alleine daraus wird ersichtlich, dass das Verhalten und die Absichten der NS-Führung gegen den Willen Gottes waren. Und da Gottes moralische Maßstäbe zu allen Zeiten und für jedermann gilt, kann man auch das Verhalten des NS-Regimes daran messen.

Dies ist mir aber bei der evolutionistischen Weltanschauung unmöglich. Denn wie oben bereits erwähnt, ist die Moral und das daraus resultierende Verhalten von vielen Faktoren abhängig. Die Gesellschaft im 3.Reich begrüßte größtenteils die Verfolgung und Inhaftierung der Juden. Viele Befürworter und Unterstützer des Reiches teilten die Meinung des NS-Regimes. Das Verhalten des Soldaten, welcher aus persönlicher Überzeugung Juden verfolgte und töte und treu zu seiner Gesellschaft stand, kann man mit der evolutionistischer Weltanschauung moralisch nicht verurteilen, da dieser Soldat der moralischen Verantwortung seiner Gesellschaft (das dt. Volk zu verteidigen, zu schützen und zu bewahren) sowie seiner persönlichen Überzeugung (Juden sind der Grund allen Übels und sind nicht wert zu leben) nach kam. Auf Grund des fehlenden moralischen Maßstabes und der Meinung, Moral werde durch Gesellschaft, Umwelt, Erziehung und persönliche Einstellungen gebildet und verändert, ist es unmöglich, unsere heutige Auffassung, dass die systematische Ermordung von Millionen von Juden moralisch betrachtet grausam, schrecklich und verwerflich sei, auf die Vergangenheit zu projektieren und das Verhalten des NS-Regimes und deren Anhänger zu kritisieren.

Fazit

Ich denke, an diesem Beispiel wurde sehr deutlich worin der Unterschied der moralischen Verantwortung zwischen dem Christentum und der evolutionistischen Weltanschauung liegt.

So lässt sich zusammenfassend sagen, dass Evolution nicht unmittelbar von moralischer Verantwortung trennt. Doch auf Grund des fehlenden universell gültigen Moralgesetz ist die Moral und damit auch die moralische Verantwortung wandelbar und orientiert sich je an Gesellschaft, Kultur und der persönlichen Einstellung.

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