Religion führt nur zu Krieg

„Religion ist zweifellos eine spaltende Kraft, ein Etikett für Feindseligkeiten und Blutrache zwischen verschiedenen Gruppen […]“ (Richard Dawkins in Der Gotteswahn). Zweifellos teilen heutzutage Millionen von Menschen die gleiche Auffassung wie Richard Dawkins zum Thema Religion. Religion, die Wurzel allen Bösen und verantwortlich für Leid, Hunger, Armut und Tod von unzähligen Menschen und der Ausgangspunkt für Kriege und Feindseligkeiten aller Art.

Religion führt doch nur zu Krieg

Religion führt doch nur zu Krieg

Ein Überblick

Schaut man einmal in die Geschichte zurück, so scheint es doch der Fall zu sein, dass diese Behauptung stimmt. Da wäre zum einen die Christenverfolgung im römischen Reich oder die Ermordung Tausender Gläubiger, sogenannte Ketzer, durch die römisch-katholische Kirche. Auch die Kreuzzüge und der Kampf um Jerusalem sind doch nur ein Ergebnis von Religion.

Oder betrachten wir aktuell (im Jahr 2014) den Nahen und Mittleren Osten, wo radikale Muslime ein Kalifat errichten wollen und im Namen Allahs alle Andersgläubigen und anders denkende Menschen hinrichten.

Wie würde die Geschichte der Menschheit aussehen, wenn es keine Religion geben würde? Wahrscheinlich wäre bei weitem nicht so viel unschuldiges Blut vergossen worden – oder doch? Wie würde die Welt heutzutage aussehen, wenn es keine Gläubigen mehr geben würde? Gäbe es dann keine Waffen und kein Militär mehr? Würden wir ohne Religion dem Weltfrieden ein Stückchen näher kommen?

Fragen über Fragen. Vermutungen, Hypothesen und Wünsche. Doch ist das auch die Realität oder hat sich Richard Dawkins getäuscht und Religion ist nicht ganz so schlimm, wie er sagt?

Religiöse Kriege

Dass Menschen im Namen Gottes getötet wurden, lässt sich wohl nicht abstreiten. Auch dass religiöse Krieg als politisches und persönliches Mittel angewandt haben, ist ein Fakt. Zudem ist es auch Tatsache, wenn auch keine schöne, dass Religion oft zu Hass, Wut und Verachtung geführt hat und oft daraus auch religiös-motivierte Kriege und Verfolgungen entstanden sind.

Doch daraus zu schließen, dass Religion nur schlecht und böse ist und immer zu Krieg führt und daher die Abschaffung der Religion sinnvoll und gut wäre, ist ein Trugschluss. Mir scheint es oft der Fall zu sein, dass bei dieser Thematik vieles über einen Kamm geschert wird und nicht genau differenziert wird.

Deshalb möchte ich am Anfang ganz allgemein etwas zum Thema Religion und deren jeweiligen Anhänger sagen und dann speziell auf das Christentum eingehen. Als nächsten Schritt möchte ich kurz darlegen, welche positiven Auswirkungen der christliche Glaube in der Vergangenheit auf die Menschheit bzw. unsere Gesellschaft hatte und was eine Welt voller Atheisten womöglich bedeuten könne.

Führen Religionen zum Krieg?

Wie ich oben aufgezeigt habe, hatte Religion in der Vergangenheit sicherlich nicht nur angenehme und schöne Auswirkungen. Viele Millionen Menschen wurden in Mitleidenschaft gezogen. Die Religion wurde als Kriegsgrund herangezogen, anders Gläubige ausgegrenzt, verfolgt und zum Tode verurteilt oder andere Religionen verboten. Diese negativen und dramatischen Geschehnisse wollen wir nicht unter den Tisch kehren oder vernachlässigen.

Doch hierbei sei folgendes immer zu bedenken: Religion besteht immer aus Menschen. Und dort wo Menschen sind, passieren Fehler, Übertretungen und Verfehlungen. Doch dies bedeutet nicht gleich im Umkehrschluss, dass die Religion der Grund für das Schlechte ist.

Ich möchte dies gerne an einem Beispiel illustrieren: Fast jeden Samstag stürmen hunderttausende Menschen in ganz Deutschland in die Fussballstadien, um ihren Verein zu unterstützen. Die meisten Fussballfans wollen sich einfach das Spiel anschauen, mitfiebern und mitjubeln. Doch es gibt auch einige Anhänger von verschiedenen Fussballvereinen, sogenannte Hooligans, welche dieses wöchentliche Spektakel als Anlass nehmen um sich zu gegenseitig zu prügeln. Diese Problematik ist seit Jahrzehnten bekannt und bis jetzt konnte noch keine zufriedenstellende Lösung gefunden werde, um dieses Problem zu beseitigen. Würde ich jetzt sagen, dass Fussball oder zumindest die Fussballvereine die Wurzel von vielem Bösen ist – weil sich Hooligans jeden Samstag in ganz Deutschland prügeln – und daher sollte man Fanclubs und die Bundesliga dazu am besten verbieten, würde jeder Fussballfan sofort zu mir sagen, dass weder der Fussball noch die Vereine der Grund für die Hooligans sind. Und nur weil diese sich gegenseitig verprügeln sei dies doch kein Grund die Bundesliga und die Vereine stillzulegen. Und so verhält es sich auch mit der Religion.

Nur weil einige Menschen in der Vergangenheit und Gegenwart im Namen der Religion Krieg geführt haben, heißt dies noch lange nicht, dass die Religion auch wirklich der Grund dafür ist. Betrachtet man die Anhänger einer Religion, die gewaltbereit sind und dadurch viel Leid, Elend und Tod verbreitet haben, so ist doch deren Zahl gemessen an der Zahl aller Gläubigen doch sehr, sehr gering. So sei an dieser Stelle nochmals angemerkt, so wie beim Fussball sich die Hooligans unter den Fans vermischen und sich nicht an den Spielregeln halten, so verhält es sich auch bei den Religionen und deren Anhänger.

Was ist mit den Kreuzzügen?

Doch wurden nicht die Kreuzzüge, die Ketzerverfolgungen und Inquisitionen auf Grundlage der Bibel, also dem heiligen Buch der Christenheit, durchgeführt? Richtig ist, dass vieles in der Vergangenheit mit der Bibel begründet wurde. Falsch ist, dass die Bibel tatsächlich solche Gräueltaten legitimiert. Nur die Tatsache, dass Herrscher, Professoren und Richter ihre Handlungen und Meinungen mit der Bibel begründet haben heißt noch lange nicht, dass die Bibel auch wirklich diese Begründungen liefert. Deshalb muss man auch hier genau hinschauen und differenzieren.

So hat die römisch-katholische Kirche im Inquisitionsprozess gegen Galileo Galilei von 1633 zwar immer wieder betont, dass das geozentrische Weltbild richtig sei und nicht, wie von Galilei behauptet, das heliozentrische, doch lehrt die Bibel nirgendwo, dass die Erde im Mittelpunkt steht. Auch der Aufruf der Päpste im Mittelalter zu den Kreuzzügen um Jerusalem zu befreien steht mit den Worten Jesu, seine Feinde zu lieben und nicht Böses mit Bösem zu vergelten im Widerspruch. An dieser Stelle könnten noch zahlreiche andere Beispiele aufgezeigt werden. Doch die Aussage wäre immer dieselbe: es wurden zwar Kriege, Verfolgungen und Unrecht im Namen Gottes und begründet durch die Bibel verübt, doch stehen diese Aussagen oft auf dünnem Eis oder sind ganz eindeutig nicht mit der Bibel in Einklang zu bringen.

Einfluss von Religion

Um endgültig das angeführte Zitat von Richard Dawkins zu entkräften, sei im Folgenden kurz auf die Errungenschaften des Christentums hingewiesen. Henry Dunant, der Begründer des roten Kreuzes, wurde durch den christlichen Glauben stark geprägt und motiviert. Ebenso Mutter Theresa, die in Kalkutta (Indien) sich um das Wohl der Ärmsten kümmerte und weltweit ein Vorbild für Millionen von Menschen wurde. Oder Blaise Pascal, der geniale Mathematiker und Physiker, war ein entschiedener Nachfolger Jesu Christi und wurde durch seinen Glauben motiviert und angetrieben um die Schöpfung Gottes zu erforschen. Auch können wir einen kurzen Blick in die Verfassung Deutschlands werfen oder das Rechtssystem der BRD betrachten – überall stößt man auf Hinweise und Ableitungen aus der Bibel. Der christliche Glaube hatte einen erstaunlich hohen Einfluss auf die Gründerväter unserer Verfassung. An diesem Punkt sei nochmals klargestellt: Entgegen dem obigen Zitat ist die Religion, hier genauer gesagt das Christentum, der Antreiber und Motivator für viele Errungenschaften gewesen.

Fazit

Zum Schluss möchte ich ein Gedankenexperiment vornehmen: Nehmen wir an, es gäbe keine Religion mehr auf Erden und jeder Mensch wäre Atheist. Wie würde diese Welt aussehen? Gäbe es neue atheistische Diktatoren, welche Millionen von Menschen aus fadenscheinigen Gründen verfolgen, einsperren und vernichten? Oder gäbe es weitere Regime, in welchen es keine Meinungsfreiheit gibt? Gäbe es überhaupt noch so etwas wie Rücksicht, Hingabe oder Nächstenliebe? Oder würden wir uns wie die Tier verhalten ganz nach dem Motto: der Stärkere gewinnt?

Ich gebe zu, dieses Gedankenexperiment ist etwas dramatisch dargestellt und stark vereinfacht. Aber es sollte eins nochmal klar stellen: So wie das Gedankenexperiment zu einfach gedacht und zu stark verallgemeinert ist, so verhält es sich auch mit der Meinung, Religion führe nur zu Not, Leid und Krieg.

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