Warum lässt Gott das Böse und das Unrecht zu?

Warum gibt es so viel Leid?

Warum gibt es so viel Leid?

Kriege in Syrien, Israel und Irak, Hungersnöte in Afrika, Ebola und andere Seuchen scheinen unaufhaltsam auf dem Vormarsch zu sein. Waffen-, Drogen- und Menschenschmuggel sind ein tägliches Geschäft selbst bei uns in Deutschland geworden. Schlagzeilen wie „Vater tötet Kinder“, „Frau wird vergewaltigt“ oder „Mord aus Rache“ kommen uns fast wöchentlich zu Ohr genauso wie Naturkatastrophen, welche weltweit tausende Menschen töten, verletzten und Orte verwüsten.

Jeden Tag hören oder lesen wir in den Nachrichten solche oder so ähnliche Schreckensmeldungen. Wir bekommen tagtäglich Meldungen von Katastrophen, Unglücken und Untaten zu Ohr und das Böse, so scheint es, macht selbst nicht einmal vor uns Halt. Und so scheint es nicht verwunderlich, dass eine Frage immer wieder, über Jahrtausende hinweg, gestellt wird: Warum lässt Gott all dies Leid zu?

Diese Fragestellung wird in der Theologie auch als die „Theodizee-Frage“ behandelt. Und ich denke, dass unsere obige Frage „Warum lässt Gott das Böse und das Unrecht zu“ sehr eng verknüpft mit dieser Theodizee-Frage ist, ja ich denke, dass unsere Frage mindestens ein Teil dieser sehr berühmten Fragestellung ist.

Viele kluge Menschen haben sich die Zähne an dieser Frage ausgebissen, Diskussionen wurden geführt, unzählige Bücher wurden geschrieben und trotz alldem kreist diese Frage auch heutzutage noch in den Köpfen von so vielen Menschen – leider oft unbeantwortet.

So werde ich versuchen, diese brisante Frage in den folgenden Zeilen aus der Sicht der Bibel zu beantworten.

Die Theodizee-Frage aus Sicht der Bibel

Zunächst einmal eine traurige Nachricht für alle, welche eine schnelle und einfache Antwort erwartet bzw. erhofft haben. Nur eine einzige Antwort gibt es auch diese Frage nicht und auch keine einfachen Antworten, da tiefgehende Fragen – und diese ist eine davon – auch tiefgehende Antworten benötigen.

Die erste Antwort auf die Frage, warum Gott das Böse und das Unrecht zulässt, lautet, dass wir Menschen selbst für dies Elend verantwortlich sind. Dies ist eine Antwort, welche sicherlich nicht alle Menschen hören wollen. Aber Gott hat uns einen Verstand gegeben, Gott hat uns seine Hilfe angeboten und er selbst hat uns gesagt, was Gut und was Böse ist. Doch wenn wir Menschen Gott verwerfen, wenn wir nur auf uns selbst hören wollen und denken, dass wir besser wissen, was Gut und Böse ist, dann ist die logische Konsequenz eine Welt voller Not und Elend. Gott hat uns Menschen die Erde gegeben, aber nicht zur Ausbeutung, sondern wir sollen diese Erde sorgsam und gut verwalten. Es ist unsere Aufgabe, diese Pflicht wahrzunehmen.

Doch wenn wir stattdessen Wälder abholzen, Raubbau mit der Natur betreiben und unseren Müll in die Weltmeere kippen, dann brauchen wir doch uns auch nicht zu wundern, wenn ganze Ökosysteme zusammenbrechen, Fische vergiftet und vom Aussterben bedroht sind und die Zerstörung der Erde unaufhaltsam voranschreitet. Sollte Gott wirklich eingreifen? Erst schmeißen wir Menschen Gott aus unserem Leben und am besten aus dem Universum (wenn dies gehen würde) aber dann soll er eingreifen, um uns vor den Folgen unseres selbstverschuldeten Handelns zu beschützen? Dies wäre kein Gott mehr sondern nur noch ein übernatürliches Wesen in Form einer  Marionette für uns Menschen. Dies heißt also im Klartext, dass viel, viel Leid, viel Übel und Unrecht ohne uns Menschen gar nicht existieren würde. Es gäbe keine Kriege, keine Morde, keine Betrügereien usw… Viel Böses verschuldet der Mensch selbst und muss deshalb auch die Konsequenzen tragen.

Nun, aber was ist denn mit Kindern, welche plötzlich durch eine Krankheit streben oder Erdbeben oder Vulkanausbrüche, wofür wir Menschen nichts können? Kann denn Gott wenigstens nicht solche Katastrophen verhindern? Dies ist ein häufiger, aber berechtigter Einwand. Und ja, Gott könnte natürlich solche Unglücke verhindern. Aber ich bin überzeugt, dass wir auch hier uns an die eigene Nase fassen müssen und ehrlich zu uns werden müssen. Wir wissen, dass wir Menschen uns von Gott losgesagt haben – dieses Ereignis wird am Anfang der Bibel als der Sündenfall von Adam und Eva beschrieben. Dies war ein so tiefer Einschnitt, dass die ganze Welt in Mitleidenschaft gezogen worden ist. So gesehen sind wir Menschen auch verantwortlich für Nöte, welche vordergründig nicht durch uns Menschen entstanden sind. Doch erst durch die Sünde von uns Menschen ist es möglich geworden, dass überhaupt Böses und Leid Einfluss in dieser Welt hat. So liegt auch hier die Verantwortung bei uns Menschen alleine.

Einen anderen Gedanken möchte ich an dieser Stelle einfügen, welcher vielleicht hart sein mag. Wir Menschen sind alle Sünder (dies bestätigt die Bibel im Römerbrief), d.h. wir haben gegen Gottes Gebote / Maßstäbe verstoßen. Weiterhin lesen wir in der Bibel (Römerbrief) „der Lohn der Sünde ist der Tod.“ Dies bedeutet, weil wir alle gesündigt haben, haben wir alle den physischen Tod und den geistigen Tod (Trennung von Gott) verdient. Die Folgerung daraus ist, dass wir Gott nicht anklagen sollten, warum er nicht Not und Leid verhindert, sondern wir sollten uns fragen, warum wir noch leben und nicht durch Not, Leid oder Böses umgekommen sind, wenn wir es doch gerechterweise verdient haben?! Die Antwort lautet: weil Gott gnädig und barmherzig ist. Anstatt Gott anzuklagen, warum er nicht Unrecht verhindert sollten wir ihm dankbar sein, dass wir noch leben, obwohl wir den Tod verdient haben.

Schlussendlich möchte ich noch eine weitere Antwort geben, welche für Christen gilt: Wir können sicherlich oft nicht verstehen, warum Leid und Not uns widerfährt. Aber Gott hat versprochen, dass alle Dinge denen, die ihn lieben, zum Besten dienen. Dies heißt, dass auch das Leid von Gott benutzt wird, um letztendlich uns Gutes zu tun. Dies mag vielleicht sich wie ein Widerspruch anhören, aber viele Christen konnten im Nachhinein erkennen, wie Gott Not, Leid und Unrecht in ihrem Leben benutzte, um am Ende etwas noch schöneres und größeres entstehen zu lassen. Diese Zuversicht, diese Hoffnung und diese Zusage Gottes sollten wir nie vergessen – gerade in schweren Zeiten.

Ein abschließender Gedanke

Ich möchte meine Ausführungen an dieser Stelle beenden und mit einem letzten Gedanken abschließen, warum Gott Leid, Not und Böses in dieser Welt zulässt und oft nicht verhindert: Vielleicht soll uns all das Böse und all das Unrecht in dieser Welt daran erinnern, dass wir Menschen meinten, ein besseres Leben ohne Gott führen zu können, dass wir Gott nicht in unserem Leben brauchten und nun bitterlich erkennen müssen, dass Not, Elend und Leid die Handschrift unserer Werke sind.

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