Wieso hat der Mensch das Bedürfnis an Gott zu glauben?

Untersucht man die Geschichte der Menschheit in Bezug auf den Glauben an Gott, so kann man unschwer erkennen, dass zu allen Zeiten, in allen Kulturen, auf allen Kontinenten, in jeder Altersschicht eine sehr große Zahl an Menschen an Göttern, an einem Gott oder an eine höhere Macht geglaubt haben. Auch gegenwärtig ist die Zahl der Gläubigen weltweit betrachtet um ein Vielfaches größer als nicht gläubigen Menschen. Diese Tatsache vermittelt den Eindruck, dass der Mensch an sich ein großes Bedürfnis hat an einem Gott oder an ein ähnliches Wesen zu glauben. Doch stimmt das und wenn ja weshalb verhält sich dies so? Dieser Fragestellung wollen wir im Folgenden nachkommen.

An Gott glauben

Ist Gott nur eine Projektion unserer Wünsche und Vorstellungen oder gibt es ihn wirklich?

Ist Gott eine Projektion des Menschen?

Die berühmte Projektionstheorie von Ludwig Feuerbach (wobei Feuerbach den Begriff „Projektion“ nie selbst verwendet hat) geht davon aus, dass Gott (hier als Inbegriff auch für Götter oder ein höheres Wesen) eine Projektion des Menschen ist. Dieser Gott besitzt all die Eigenschaften (vollkommen, gerecht, allmächtig, usw…) welche wir Menschen nicht besitzen aber als positiv und wünschenswert ansehen.

Daher ist Gott, so Feuerbach, die Summe all unserer Wünsche und Vorstellungen und ein gegenüber zu uns endlichen, sündigen, unvollkommenen Menschen. Weiterhin kann nun dieser erschaffene Gott benutzt werden, um Autorität, Gesetzte und Ansprüchen an uns Menschen zu stellen und kann als höchstes Wesen, welchem Gehorsam zu leisten sei, betrachtet werden. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass wir Menschen nur das Bedürfnis haben an Gott zu glauben, weil wir ihn selber erschaffen haben und nicht uns Menschen als das höchste Wesen ansehen.

Ist dieser geschilderte Sachverhalt richtig? Glauben wir Christen nur deshalb an einen Gott oder resultiert unser menschliches Verlangen nach Gott aus ganz anderen Gründen?

Die Projektionstheorie ist widerlegt

Wenn Gott nur aus menschlichen Gedanken und Vorstellungen resümiert, so wären wohl die Eigenschaften von Gott/Göttern wohl doch oft ganz andere.

Zu der oben erwähnten Religionskritik („Projektionstheorie“) von Ludwig Feuerbach lässt sich sagen: Wenn Gott nur aus menschlichen Gedanken und Vorstellungen resümiert, so wären wohl die Eigenschaften von Gott/ Göttern wohl doch oft ganz andere. Würden wir Menschen wirklich einen Gott projektieren, welcher Menschen nach ihrem Tod in die Hölle verbannt? Würden wir einen Gott uns ausdenken, welcher sich nicht zu erkennen gibt? Oder warum sollten wir Menschen einen Gott erfinden, welcher listig ist und Menschen hinters Licht führt?

Diese Beispiele sollen nur verdeutlichen, dass einige Götter in der Menschheitsgeschichte wohl Eigenschaften haben, welche wir oftmals gar nicht verstehen bzw. für uns unlogisch sind. Weshalb haben wir Menschen denn keinen Gott erschaffen, der alles gut findet, was Spaß macht, welcher allen Menschen treu zur Seite steht und jeden Menschen aus der Armut, aus Leid, aus Not und Elend herausführt? Ich bin mir also sicher, wenn Gott tatsächlich nur eine Projektion von uns Menschen wäre, dann hätte Gott bzw. hätten die Götter oftmals ganz andere Charaktereigenschaften. Doch dies ist offensichtlich nicht der Fall.

Ein zweiter Aspekt soll hier kurz beleuchtet werden. Die Tatsache, dass wir Menschen uns etwas wünschen und vorstellen, heißt noch lange nicht, dass dies nicht existiert. Ich denke, wir alle sind schon mal in den Urlaub gefahren oder haben daheim eine Feier veranstaltet. Und was darf dabei auf keinen Fall fehlen? Schönes Wetter. Sonnenschein. Unser Wunsch nach Sonnenschein steht nicht im Widerspruch zu der Tatsache, dass zumindest bei den ein oder anderen auch dieser Wunsch in Erfüllung getreten ist. Ich könnte noch eine Reihe weiterer Beispiele aus unserem alltäglichen Leben anführen an denen wir erkennen können, dass unsere Vorstellungen und Wünsche nicht ausschließen, dass diese auch existieren bzw. eintreffen können.

Der wahre Grund warum wir den Wunsch haben an einen Gott zu glauben

Mensch wurde geschaffen und erschaffen um eine Beziehung zu seinem Schöpfer (Gott) zu haben.

Doch wie verhält es sich dann mit Gott und dem menschlichen Bedürfnis nach ihm? Am Anfang der Bibel, nämlich im 1. Buch Mose, Kapitel 2, lesen wir, wie Gott den Menschen erschaffen hat. Was hat dies mit dem Bedürfnis von uns Menschen nach Gott zu tun? Eine ganze Menge, wie ich denke. Dort, in dem sogenannten Schöpfungsbericht, lesen wir weiterhin, dass Gott den Menschen deshalb erschaffen hat, weil er eine Beziehung zu dem Mensch haben möchte. Gott hat nicht nur den Menschen einfach geschaffen und ihn dann ignoriert. Der Mensch wurde geschaffen und erschaffen um eine Beziehung zu seinem Schöpfer (Gott) zu haben.

Weiterhin lesen wir in der Bibel, dass genau aus diesem Grund Gott dem Menschen ein Verlangen ins Herz gelegt hat. Ein Verlangen in Kontakt bzw. in eine Beziehung mit seinem Erschaffer zu treten. Der Mensch hat in seinem Innersten ein Bestreben zu dieser ursprünglichen Beziehung und deshalb hat der Mensch ein Verlangen/ Bedürfnis nach Gott. Dieses Bedürfnis ist keine Projektion von uns Menschen oder eine Illusion, sondern sie basiert auf dem Grund unserer Existenz: die Beziehung von Gott zu uns Menschen. Deshalb suchten und suchen Millionen von Menschen in der Vergangenheit und Gegenwart an einen Gott oder an ein höheres Wesen zu glauben, weil sie letztendlich auf der Suche nach dem Sinn in ihrem Leben sind, auf der Suche nach dem Grund ihrer Existenz und auf der Suche nach dieser ursprünglichen Beziehung.

 

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